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"family" auf Great-Britain-Trip

(Teil 2) Liverpool-Leicester 1:2 (statt Jena-Cottbus 0:3) /
Manchester / Newcastle

Der Nordengland-Teil unseres Urlaubs, für den wir das Spiel Liverpool – Leicester eingeplant hatten, begann schon in Schottland mit einer bösen Überraschung: Vor Beginn der Premier League war in der Zeitung eine schöne Übersicht über alle Vereine und ihre Stadien. Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich über die Anfield Road las: "... wegen Umbau derzeit nur 35.000 statt 45.000 Zuschauer". Gästefans sind bis November, bis zur Fertigstellung des Anfield Road Stands, nicht zugelassen. Na prima! Das war es dann wohl, denn wir wollten eigentlich erst einen Tag vor dem Spiel unser Zelt in der Nähe von Liverpool aufbauen und die Karten erst am Spieltag selbst kaufen (was bei einem Vorjahresbesuch von 38.000 Zuschauern gegen Leicester sicher kein Problem gewesen wäre). Verzweiflungstat: Wir verkürzten unseren Schottland-Aufenthalt um 2 Tage und fuhren bereits am Sonntag gen Süden, um vielleicht montags noch Karten für das am Mittwoch stattfindende Match zu ergattern.

"Sold out !"

Der Rest meiner Familie behauptet, ich hätte am Montagmorgen angeblich Hektik verbreitet. (Böse Gerüchte! Ich habe lediglich für einen zügigen Ablauf gesorgt!) Also eher als sonst rein ins Auto, rauf auf den Motorway und ab nach Liverpool. Da wir noch keinen Stadtplan hatten, verließ ich mich voll auf die Infos aus dem Internet (z.B.: http://www.fa-carling.com und dann den Club auswählen): M 57, Abfahrt 5, und auf der A 580 immer geradeaus Richtung City (nicht nach rechts zu den ausgeschilderten Fußball-Parkplätzen abbiegen). Everton-Interessenten können den gleichen Weg benutzen, der Goodison Park liegt rechts am Weg. Dann folgten wir dem Hinweisschild "LFC Visitor Centre" und bogen links ab in eine enge Straße mit kleinen, typisch englischen Reihenhäuschen. Mangels Straßenschild wußten wir eine Weile nicht, wo wir sind, aber als wir plötzlich vor dem Gittertor mit der Inschrift "You’ll never walk alone" (und gleichzeitig vor einer Bauabsperrung) standen, war alles klar: Diese unscheinbare Straße ist eine der berühmtesten in der Fußballwelt – Anfield Road. Man sah auch den Grund für die reduzierte Zuschauerkapazität: Die Nordtribüne fehlte und wurde völlig neu aufgebaut. Wir fädelten uns dann zum Haupteingang an der Walton Breck Road durch, was angesichts des Einbahnstraßensystems rund um den Ground das Orientierungsvermögen trainierte. Über den Kassenschaltern stand es dann knallig rot "Leicester – Sold out!" Sch..., sollte alles für die Katz‘ sein. Ich versuchte trotzdem (und trotz einiger ebenfalls das "Sold out" anstaunender und an meinen Lesefähigkeiten zweifelnder Leute) mein Glück am einzigen offenen Schalter – und schwebte plötzlich einen halben Meter über dem Boden: Anstatt eines Kopfschüttelns bekam ich die 2 verlangten Tickets!!! Der Preis (zusammen £ 36) halbierte zwar meine "Bodenfreiheit", aber was soll’s, dafür ist es eben Urlaub. Den Rest unseres Geldes stellten wir dann im benachbarten Fanshop (Das Angebot!!! Mein armes Portemonnaie!) auf den Kopf. Ein Aha-Erlebnis gab es noch, als wir eine Stadiontour machen wollten, freie Tourplätze gab es erst wieder am Freitag. Kein Problem, da wir eine Woche in dieser Gegend eingeplant hatten.

Sheffield Memorial

Nach der Erfüllung aller Wünsche schauten wir noch uns noch einmal den Ground aus Richtung Anfield Road an. Links neben dem bereits erwähnten Tor befand sich ein großer Gedenkstein (der während der Bauarbeiten durch eine Holzverkleidung geschützt war) mit einer "ewigen Flamme", vor dem frische Blumen und etliche Schals verschiedener Vereine lagen – das Sheffield Memorial. Hier sind alle 96 Opfer der Hillsborough Katastrophe am 15.4.1989 in Sheffield aufgeführt, die bei einer Panik beim Spiel Liverpool-Sheffield ums Leben kamen. Als ich davor stand und die Namen und die Altersangaben las, lief mir eine Gänsehaut den Rücken runter. Alle wollten sie nur ein Spiel sehen, und dann das. In einem Blumenstrauß steckte eine Geburtstagskarte für einen Paul, hinter seinem Namen stand "17 years"... Übrigens erinnert in Sheffield selbst nichts an jenes schreckliche Ereignis.
Den Rest des Tages nutzten wir noch für einen Besuch bei dem anderen Liverpooler Verein (dessen Namen ich wegen Belanglosigkeit schon wieder vergessen habe ;-) ), dessen Ground nur eine halbe Meile Luftlinie entfernt ist.

Liverpool – Leicester 1:2 (0:1)

Was haben Kalle Riedle und ich gemeinsam? Unser Anfield-Debüt (für Riedle war’s das erste Heimspiel beim LFC) ging gründlich daneben.
Schon vor dem Spiel war Riesenstimmung im Ground. Riedle und Paul Ince (der von Inter gekommen war) wurden bereits beim Warmlaufen mit Sprechchören gefeiert, und dann, als letztes Lied vor dem Anpfiff traditionell Gerry Marsden’s "You’ll never walk alone". Der Kop Stand (die Fankurve) stimmte sofort ein – einmalig und unbeschreiblich !!! Nach dem Anpfiff gab es eine kalte Dusche für die "Reds": Anstoß, Angriff von Leicester, Flanke, Tor, Totenstille im Ground (keine Away-Supporter). Die nächsten 89 Minuten war Liverpool optisch überlegen und rannte vergeblich gegen das 1-9-1-System von Leicester an, aber im Angriff lief alles wie alter Kaugummi. Noch dazu hatte McManaman, Spielmacher des LFC und aus dem Nationalteam bestens bekannt, keinen guten Tag. Lediglich zweimal zeigte er bei Dribblings, bei denen er die Gegner reihenweise stehenließ, was er tatsächlich draufhat. Und so kam es, wie es auch hierzulande üblich ist: die einen stürmen, die anderen schießen das Tor. Ein Konter in der 82. Minute und es stand 0:2. Paul Ince knallte zwar 3 Minuten später noch einen Verzweiflungsschuß zum Anschlußtreffer rein und Liverpool erkämpfte sich in den letzten Minuten mehr Chancen als in der ganzen Zeit vorher, aber es war umsonst.
In der Halbzeit haben wir ein Schwätzchen mit einigen Fans gemacht, die uns auf Grund unserer Jena-Klamotten ansprachen. Sie kannten auch den FCC und wußten einiges aus unseren glorreichen alten EC-Zeiten.

Support á la Great Britain

Genial das Verhalten der Fans. Wo es bei uns schon längst Pfiffe gegeben hätte, supporteten sie ihre Mannschaft bis zur letzten Sekunde, als ob es 3:0 stände. Ein Unterschied zu Ibrox: Obwohl in beiden Stadien die Zuschauer alles hierzulande in den Schatten stellten, war an der Anfield Road die Stimmung nicht so (theatermäßig) clean, sonder urwüchsiger. Übrigens: Warum können die deutschen Fußballfans eigentlich meist nur ein paar gängige 08/15-Sprüche? Hier auf der Insel werden, die meisten kennen es von TV-Übertragungen, komplette Fanlieder (Mit richtigem Text!) gesungen. Und wenn Tausende oder Zehntausende gleichzeitig singen, entsteht eine Atmosphäre, die man eigentlich nicht in Worte fassen kann, das muß man selbst erleben. Auffallend war sowohl in Glasgow als auch in Liverpool das relativ geringe Polizeiaufgebot; da werden bei Jena-Meppen mehr Ordnungshüter aufgeboten. Auch im Stadioninnenraum hielt sich die Anzahl der Ordner in überschaubaren Grenzen. Vor der ersten Zuschauerreihe (Zäune gibt es dort nicht!) saß aller 10 m ein Ordner und in jedem Block "patrouillierte" jeweils ein weiterer Ordner.

Old Trafford, Oldham

Unser Zeltplatz in Croston (südlich von Leyland) lag für Fußballinteressierte ideal. Im Umkreis von 50 km befanden sich 6 Mannschaften der Premier League (Liverpool, Everton, Man Utd., Barnsley, Bolton, Blackburn) und diverse andere bekannte Teams (z.B. Man City). Und wem das nicht reicht: Leeds 80 km, Sheffield 100 km.
Da wir im Urlaub aber auch noch was anderes außer Fußballstadien sehen wollten, beschränkten wir uns in NW-England außerhalb von Liverpool auf Old Trafford. Der Ground ist leicht zu finden, die M 63 an der Abfahrt 4 in Richtung Manchester verlassen und dann den braunen Hinweisschildern folgen. Mit einer großen Stadiontour klappte es leider nicht, es war für die nächsten Tage alles ausgebucht – "School holidays". So kauften wir Karten für das Man-Utd.-Museum, im Museumsbesuch war eine kleine Stadionbesichtigung (ca. 20 min) enthalten. Nachmittags wollten wir einem Einkaufszentrum in Oldham einen Besuch abstatten. Als wir von der Autobahn abfuhren, informierte ich die anderen Familienmitglieder, daß der ortsansässige Verein "Athletics" heißt und in der 2. Division kickt. Und rein zufällig (es war wirklich Zufall) stand an der Straße ein Hinweisschild "Oldham Athletics Football Ground". Da wir bereits die Flutlichtmasten sahen, bogen wir ab und schauten uns mal den Boundary Park, ein Stadion der rustikaleren Art, an. Der Fanshop vorm Ground war auch 2 Nummern kleiner als die bei den großen Vereinen und teilte sich den Laden mit einem kleinen Sport-Shop.

Newcastle

Die letzten 5 Tage zelteten wir in der Nähe von Newcastle. Neben konventionell-kulturellen Unternehmungen (empfehlenswert: Hadrian‘s Wall, Kathedrale in Durham) war auch eine Visite im St. James’ Park, der als eines der schönsten Stadien auf der britischen Insel gilt, geplant. Fast schon normal: Montags erster Anlauf, die nächste freien Plätze für die Stadiontour gab’s am Donnerstag. Zum Glück ging die Fähre erst freitags. Bei der Tour wurde das positive Vorurteil bestätigt – der Ground, der übrigens nur 500 m von den Fußgängerzonen der City entfernt liegt, ist absolut "schnucklig", aber für den schwarz-weißen Verein in einer der fußballverrücktesten englischen Städte mit maximal 37.000 Zuschauern zu klein. Es werden 33.000 Saisonkarten verkauft (Ca. 50.000 wären locker möglich!!!), der Rest ist für die Gästefans vorgesehen. So verwundert es nicht, daß man ein völlig neues Stadion mit 55.000 Plätzen plant.

Tips

Noch einige Tips für GB-Fußball-Touristen, die sich aus meinen Erfahrungen ergeben:

  • Einige Zeit vorher bei der Britischen Fremdenverkehrszentrale (BTA, Taunusstraße 52-60, 60329 Frankfurt/Main, Tel. 0 69 / 2 38 07 11) Info-Material von der Region bestellen, die man besuchen will. Das ist kostenlos, man wird lediglich um eine freiwillige Beteiligung an den Portokosten gebeten. Man bekommt u.a. Übernachtungsmöglichkeiten aller Preiskategorien aufgelistet.
  • Wenn man mit dem Auto in größeren Städten unterwegs ist, ist ein Stadtplan (gibt’s in Buchform an jeder Tankstelle) stark zu empfehlen. Die Investition von ca. £ 4 spart eine Unmenge Zeit, Umwege und Nerven.
  • Eintrittskarten und Stadiontouren sollte man vorher buchen; bei (fast) jedem Verein gibt es eine Telefon-Hotline. Und wer sich es sich selbst nicht zutraut – fragt doch Euren (ehemaligen) Englischlehrer, der hilft bestimmt, wenn ihr ihn in der Vergangenheit nicht allzu sehr verbittert habt
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