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"family" auf Great-Britain-Trip

(Teil 1) Glasgow: Rangers vs. Hearts 3:1, Celtic, Hampden Park

Nachdem unser 2. GB-Urlaub langfristig feststand (die Fähre hatten wir bereits Ende 96 gebucht) und ich ahnte, daß die Meisterschaften wegen der 98er WM diesmal recht zeitig beginnen würden, wartete ich sehnsüchtig auf die Spielpläne der englischen und schottischen Meisterschaften, um die Feinabstimmung unseres Urlaubs zu treffen. Während die englischen Ansetzungen bereits im Juni erschienen, ließen sich die Schotten bis eine Woche vor der Abreise Zeit. Etwas enttäuschend war, daß lediglich 2 Spiele in unsere Planung paßten, da wir nicht bis in den Raum London fahren wollten. Die erste Urlaubshälfte in Schottland machte ich für die Begegnung Glasgow Rangers gegen Hearts of Midlothian Edinburgh passend, und für den Nordengland-Teil war FC Liverpool – Leicester City ideal, da ich wegen der "Reds" und als Beatles-Fan sowieso unbedingt nach Liverpool wollte.

Donnerstags kam unsere Fähre in Newcastle an und wir fuhren am gleichen Tag zum vorher ausgesuchten Campingplatz. Sehr empfehlenswert ist der Zeltplatz in Motherwell an der Autobahn M 74, direkt an der Abfahrt 5: £6,50 (£1 » 3 DM) pro Nacht, 26 km bis zum Ibrox Park (M 8, Abfahrt 23, dann noch 500 m), 13 km bis zum Celtic Park (M 74 bis zum Ende, dann noch 3 km auf der A 74 Richtung City). Am Freitag führte unser erster Weg zum Ibrox Park und ich hatte Glück und bekam noch 2 Karten (Preis: £23 » 70 DM für 1 Erwachsenen + 1 Kind) für das Montagsspiel (war dann ausverkauft), den Saisonauftakt. Der anschließende Besuch im neuen Rangers-Fanshop zeigte anschaulich eine Riesendifferenz zwischen dem tollen Angebot und meinen Finanzen. So ging es mir übrigens in jedem der zahlreichen (zum Teil turnhallengroßen) Sport-Shops. Allein das Angebot an Fußballklamotten der verschiedensten Vereine haut einen um: ob Home-, Away- oder Goalie-Kluft – für jeden Bedarf und jede Größe gibt es was. Die aktuellen Trikots kosten ziemlich einheitlich £ 40, die vorjährigen Kollektionen liegen so um die 10 bis 15 Pfund.

Auf touristische Art verbrachten wir das Wochenende und schauten am Montagvormittag bei Celtic vorbei. Leider war auf Grund von Umbauarbeiten keine Stadionführung möglich. Dafür lief uns vor dem Ground Jonathan Gould, der Celtic-Keeper, über den Weg und es ergab sich ein kurzes Gespräch über mein eingewickeltes Bein. Leider habe ich bei dieser Gelegenheit wiedermal gemerkt, daß sich das Schulenglisch von der auf der Insel gesprochenen (dialektbehafteten) Sprache erheblich unterscheidet. Vor allem das Verstehen des Gegenübers – noch dazu beim schnellen Sprechen – bereite mir anfänglich Probleme. Aber je länger unser Urlaub dauerte, um so besser klappte es mit der Verständigung mit den Einheimischen.

Am Abend ging’s dann wieder zu den Rangers. Das Stadion hatte ich schon 3 Tage vor dem Spiel, beim Kauf der Eintrittskarten, von allen Seiten von außen beschnarcht und auch versucht, durch die gut verkleideten Tore etwas vom Innenraum zu sehen. Aber als ich auf die Tribüne kam, war ich erstmal platt und mußte stehenbleiben: Da kann‘ste alles vergessen, was in Old Germany 'rumsteht, das sind nur bessere Sportplätze gegen Ibrox. Es war wie im Theater, nur das oben über dem Rasen jemand ein Loch im Dach gelassen hatte, damit man den an diesem Abend blauen, wolkenlosen schottischen Himmel sehen konnte. Nachdem wir unsere Plätze gesucht und gefunden hatten, kam gleich ein Ordner an und fragte mich, ob mir ein Platz am Rand in der 1. Reihe unseres Blocks lieber wäre, da es doch recht schwierig für mich wäre, mit dem kaputten Bein so mittendrin... Das nette Angebot kam mir mehr als recht: Wer größer als 1,60 m ist und schon mal versucht hat, in einem schottischen oder englischen All-seater-Stadium 90 Minuten auf dem Sitz durchzuhalten, wird mich verstehen. Während die Rückenlehne des Vordersitzes tiefe Kerben in die Schienbeine drückt, haben die Kniescheiben engen Kontakt zu den Schulterblättern des Vordermannes. Die Stadionarchitekten auf der britischen Insel scheinen alle von den 7 Zwergen abzustammen, außer Kindern kann dort niemand vernünftig sitzen. Kurz vor dem Anpfiff, als alles voll war, erklärte der Ordner 2 Rangers-Fans am Rand der ersten Blockreihe die Situation und arrangierte einen Platztausch. Nun hatte ich zwar mehr Platz und niemanden links von mir, aber trotzdem war es richtig erholsam, wenn ich bei Torraumszenen wie alle anderen aufspringen konnte, da es – außer vielleicht in den VIP-Logen – keinen Platz im gesamten Stadion gab, der meinen 1,95 m Raum geboten hätte.

Vor dem Anstoß war mal einen kurzen Moment relative Ruhe im Ground, sofort legten die Hearts-Supporter so richtig los. Es ist immer wieder erstaunlich, was 1.000 Fans in einem überdachten Stadion für einen Krach erzeugen können. Aber nach einer halben Minute legte der Ranger-Anhang – d.h. der "Rest" der über 50.000 Zuschauer – los und die Hearts hatten akustisch die Chance einer Nachtigall über den Niagarafällen. Phantastisch für einen Mitteleuropäer: Jede gelunge Aktion wird bejubelt und beklatscht. Ein simpler Flankenwechsel der Rangers in der eigenen Hälfte löste einen Heidenlärm aus, der bei jedem Bundesligaverein als Torschrei durchginge. Jörg Albertz, aus Ex-HSV-Zeiten noch bestens bekannt und einer der Publikumslieblinge, wurde auf dem Weg zu einem Eckball bereits stürmisch gefeiert; dann deutete er im Laufen einen Kuß auf sein Rangers-Dreß an – für diese Geste wurde er mit Sprechchören gefeiert, als ob er gerade den 10. Meistertitel für die Blauen im Alleingang gesichert hätte. Kurze Zeit später wiederholte sich der Vorgang auf der anderen Seite. Gelegentlich gab es während des Spieles Augenblicke, in denen es fast völlig still im Stadion war, doch immer wieder brach der Vulkan auf den Rängen aus und sorgte für ohrenbetäubenden Lärm. Gespräche mit dem Nachbarn waren lediglich in der Halbzeit möglich.

Ganz kurz was zum Spiel: Zunächst hatten die Rangers Probleme, richtig gefährlich vor dem Tor der Hearts aufzutauchen. In der 39. Minute drückte Negri nach einer Flanke den Ball Richtung Tor, Rousset (Hearts-Keeper) konnte abwehren, doch plötzlich entscheidet der Schiri auf Tor. Er war der einzige im Stadion, der den Ball hinter der Linie gesehen hatte, und auch in der Pause auf den Großmonitoren im Stadion konnte man seine Entscheidung nicht nachvollziehen. Der gelernte DDR-Oberliga-Fan merkt sofort: "Ein typisches BFC-Tor." Dafür machte Negri eine Minute später alles mit einem genialen Tor wett: Nach einem Alleingang halbrechts lupfte er von der Strafraumgrenze den Ball über Rousset hinweg in die lange Ecke. Die 2. Halbzeit war dann auf dem Rasen durchschnittlich (jedes Team schoß in den letzten 10 Minuten noch ein Tor), was auf den Rängen abging war vermutlich für Ibrox normal, für mich faszinierend. 10 Prozent dieses Supports möchte ich im Abbe-Sportfeld erleben !!! Nach dem Match fragte uns ein Ranger-Supporter erstaunt: "Germans?" Daraufhin entwickelte sich ein netter Plausch, bei dem die Verständigung besser klappte als am Vormittag bei der grün-weißen Konkurrenz; allerdings mußte ich ihn über den FCC und unsere großen EC-Zeiten aufklären. Letztendlich haben wir dann unsere Schals getauscht.

Am nächsten Tag beendeten wir unseren Glasgow-Aufenthalt mit einer Visite am schottischen "National Stadium", dem Hampden Park, der sicher vielen von Länderspielübertragungen bekannt ist und der durch den "Hampden Roar", den unnachahmliche Anfeuerungsschrei, berühmt ist. Zur Zeit wird das Stadion völlig umgebaut wird; die halbe "Schüssel" war bereits abgerissen. ...

(wird fortgesetzt)


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